Umwelt 11.02.2011, 19:51 Uhr

Mit Brom und Aktivkohle gegen Emissionen

Weltweit nehmen die Quecksilberemissionen aufgrund des Zubaus von Kohlekraftwerken in China und anderen Entwicklungs- und Schwellenländern zu. Dabei gibt es etablierte wie auch neue Ansätze, diese Emissionen zu senken. Vorreiter sind hier deutsche Unternehmen.

In Europa, Nordamerika und Russland sinken die Quecksilberemissionen. In Afrika und Südamerika steigen sie langsam, in Asien deutlich. Hauptquelle sind Kohlekraftwerke. Sie emittierten 2005 nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) 498 t Quecksilber (Hg) in die Luft. Nur 6 t davon stammen aus deutschen, knapp 50 t aus US-amerikanischen und weit über 100 t aus chinesischen Kraftwerken.

Zurzeit baut China jährlich Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 70 GW neu. Dort werden die Hg-Emissionen noch steigen, selbst wenn alle neuen Werke mit Elektrofiltern und Entschwefelungsanlagen ausgerüstet wären.

Wie sich auf technischem Wege diese Hg-Emissionen weltweit senken ließen, diskutierten Fachleute und Politiker Ende Januar im japanischen Chiba. Zunächst die Theorie: Der Hg-Gehalt von Steinkohle liegt zwischen 0,1 mg Hg/kg und 0,6 mg Hg/kg. Wird die Kohle verbrannt, lassen sich im Rohgas im Schnitt 10 µg Hg/m³ bis 30 µg Hg/m³ nachweisen. Staubfilter können 30 % bis 50 % des Metalls auffangen.

Wird zusätzlich Aktivkohle ins Rauchgas eingedüst, was einige kleine Kraftwerke in den USA tun, kann dies die Hg-Emissionen in der Luft um bis zu 90 % reduzieren. Mit Elektrofiltern, Entschwefelungs- und Entstickungsanlagen wie in der EU senken Kraftwerke den Hg-Gehalt in der Abluft meist um 75 % bis 85 %. Im Rauchgas deutscher Kraftwerke lassen sich im Kamin im Schnitt nur bis zu 10 µg Hg/m³ messen. Sie erfüllen damit den deutschen Tagesgrenzwert von 30 µg Hg/m³ locker. EU-weite Hg-Grenzwerte für Kraftwerke fehlen.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr-Firmenlogo
Traineeprogramm - Bachelor Fachrichtung Maschinenbau / Energie- und Gebäudetechnik (m/w/d) Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
bayernweit Zum Job 
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr-Firmenlogo
Traineeprogramm - Bachelor Fachrichtung Maschinenbau / Energie- und Gebäudetechnik (m/w/d) Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fachkraft für Nah- und Fernwärme-Hausanschlüsse (m/w/d) Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG
Esslingen am Neckar Zum Job 
Landeshauptstadt Düsseldorf-Firmenlogo
Leitung des städtischen Krematoriums für das Garten-, Friedhofs- und Forstamt Landeshauptstadt Düsseldorf
Düsseldorf Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Wirtschaftsjurist*in / Ingenieur*in (m/w/d) für Contract & Claimsmanagement in Projektender Energiewende THOST Projektmanagement GmbH
Stuttgart, Mannheim Zum Job 
RES Deutschland GmbH-Firmenlogo
Head of Engineering / Leitung technische Planung Wind- & Solarparks (m/w/d) RES Deutschland GmbH
Vörstetten Zum Job 
MEWA Textil-Service SE & Co. Management OHG-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik MEWA Textil-Service SE & Co. Management OHG
Wiesbaden Zum Job 
KÜBLER GmbH-Firmenlogo
Techniker / Ingenieur / Fachplaner / TGA (m/w/d) Heizungstechnik und Elektro KÜBLER GmbH
Ludwigshafen Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Vertragsmanager*in Großprojekte Mobilität (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
fbw | Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg mbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) (Ingenieur für Elektrotechnik, Energie- oder Versorgungstechnik o. ä.) fbw | Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg mbH
Stuttgart Zum Job 
Veltum GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur:in für Versorgungstechnik Heizung, Lüftung, Sanitär Veltum GmbH
Waldeck Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Ingenieur/Techniker/Meister (m/w/d) Elektrische Energietechnik Netzausbau Strom Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in (m/w/d) im Projektmanagement Bereich Energietechnik THOST Projektmanagement GmbH
verschiedene Standorte Zum Job 
ESWE Versorgungs AG-Firmenlogo
Asset Management & Transformationsplanung Fernwärmeversorgung (m/w/d) ESWE Versorgungs AG
Wiesbaden Zum Job 
naturenergie hochrhein AG-Firmenlogo
Projektentwickler kommunale Energielösungen (m/w/d) naturenergie hochrhein AG
Rheinfelden (Baden) Zum Job 
Stadtwerke Augsburg Energie GmbH-Firmenlogo
TGA-Planer*in / Ingenieur*in / Techniker*in (m/w/d) technische Gebäudeausrüstung Stadtwerke Augsburg Energie GmbH
Augsburg Zum Job 
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)-Firmenlogo
Abteilungsleitung Deponien und Altablagerungen (w/m/d) Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)
Kromberg & Schubert Automotive GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ingenieur / Materialwissenschaften (m/w/d) Kromberg & Schubert Automotive GmbH & Co. KG
Abensberg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Senior - Projektleiter Elektrotechnik Betriebsanlagen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 

Staubfilter und Rauchgasreinigungsanlagen reichen aber nicht aus, um Quecksilber vollständig zu entfernen. Diese Verfahren würden das Metall in seiner oxidierten, kaum aber in seiner elementaren Form erfassen, erklärt Rolf Beckers vom Umweltbundesamt: „Metallisches Quecksilber wandert nahezu vollständig durch Filter und Wäscher hindurch.“ Ziel müsse es sein, im Rauchgas den Anteil von oxidiertem Quecksilber weitestmöglich anzuheben.

Wie viel Quecksilber in welcher Form im Rauchgas vorliegt, hängt von mehreren Faktoren ab. Enthält Kohle von Natur aus viel Brom- und Chlorsalz, wird metallisches Quecksilber bei hohen Temperaturen halogeniert, also aufoxidiert. Ist die Kohle schwefelreich, bildet sich viel Schwefeldioxid. Dieses Gas behindert zwar die Chlorierung, nicht aber die Bromierung des Quecksilbers.

Dieses Wissen nutzte Verfahrenstechniker Bernhard Vosteen, als er vor elf Jahren bei BayerIndustrialServices (heute Currenta) die bromgestützte Quecksilberabscheidung entwickelte. Heute leitet er das Kölner Beratungsbüro Vosteen Consulting und vertreibt das patentierte Verfahren weltweit.

Sein Trick: der Kohle oder der Feuerung Bromsalz zugeben. Dass das Verfahren funktioniert, zeigte der Einsatz in Sondermüllverbrennungsanlagen von Currenta. Dort werden seit 2001 Hg-haltige Abfälle mit bromreichen Flüssigabfällen oder unter Zugabe einer Kalziumbromidlösung verbrannt. Das erzielt Hg-Abscheideraten von mehr als 99 %.

Das Verfahren wird bereits vielfach angewandt, etwa in Klärschlammverbrennungsanlagen in Bottrop und Karlsruhe. In den USA haben Kraftwerksbauer Alstom und Kraftwerksbetreiber Southern Company das Verfahren lizenziert. Southern Company will es in vielen Anlagen einsetzen. Als Lizenznehmer von Alstom nutzen es bereits Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 5,5 GW. Dort liegt der Hg-Gehalt im Kamin oft deutlich unter 1 µg/m³. Das Verfahren hat inzwischen viele Nachahmer gefunden und eröffnet Bromherstellern wie Israel Chemicals sowie Albemarle und Chemtura aus den USA einen neuen Markt.

Auch im Evonik-Heizkraftwerk Herne und im Evonik-Kraftwerk des Chemieparks Marl wird die bromgestützte Quecksilberabscheidung erprobt. Das Bromsalz führt zur höheren Hg-Abscheidung im Rauchgaswäscher, die jedoch höhere Hg-Werte in Gipswerken verursachen kann. Denn dem Wäscher wird Kalksteinmehl zugefügt, das mit Schwefeldioxid und Sauerstoff zum Nebenprodukt Gips-Dihydrat reagiert.

Dieses wird in Gipswerken zu Gips getrocknet, aus dem Wandbau- oder Gipskartonplatten entstehen. „Hohe Hg-Werte im Dihydrat würden dort aber zu hohen Hg-Emissionen in der Abluft führen“, so Wolfgang Konrad, bei Evonik Steag GmbH zuständig für Neubauprojekte und Standortentwicklung.

Das zu vermeiden, arbeiten Evonik Energy Services und Vosteen Consulting an einem neuen Verfahren. Erst wird Quecksilber unter Zugabe von Kalziumbromid zur Kohle aus dem Rauchgas abgeschieden. Dann wird Aktivkohle fein verteilt in den Rauchgaswäscher zugefügt. Die Aktivkohle bindet gelöstes Quecksilber im Waschwasser. Der Hg-Gehalt in der wässrigen Phase sinkt von oft über 100 µg/l auf unter 10 µg/l, also deutlich unter Ursprungsniveau.

In Hydrozyklonen wird danach „grobkörniger“ Gips abgetrennt. Die Hg-haltige Aktivkohle bleibt neben Flugasche und feinteiligem Gips vollständig in der wässrigen Phase. „Wir verhindern so einen zusätzlichen Eintrag von Quecksilber und der Gips bleibt schneeweiß“, so Konrad.

Die Versuche zur kombinierten Bromid- und Aktivkohlezugabe im Heizkraftwerk Herne und im Kraftwerk des Chemieparks Marl seien erfolgreich, ist von Evonik zu hören. Weitere Tests sind im Frühjahr im Kraftwerk Herne geplant. Bestätigen sich die guten Ergebnisse, steht einer großtechnischen Anwendung des kombinierten Einsatzes von Bromsalz und Aktivkohle in der Zukunft nichts mehr im Wege. RALPH AHRENS

Veranstaltungshinweis: VDI-Seminar
„Messung und Minderung von Quecksilber-Emissionen“, 13. – 14.04.2011, Düsseldorf

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.