Innovation aus der Bioökonomie: Heizbare und beleuchtbare Leichtbaumaterialien mit Recyclingpotenzial
Fraunhofer WKI zeigt auf der Hannover Messe 2025 innovative Leichtbauwerkstoffe mit Heiz- und Beleuchtungsfunktion. Die Materialien sind recyclingfähig, basieren auf nachwachsenden Rohstoffen und eignen sich für Fahrzeug- und Innenausbau. Gemeinsam mit Partnern entstehen funktionale Hybridlösungen für Tiny Houses, Caravans und modulare Architektur. Das Projekt stärkt Bioökonomie, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit durch regionale, ressourcenschonende Werkstoffe.

Heizbarer Sandwich-Bioverbundwerkstoff mit PLA-Schaumkern. (von unten nach oben): XPLA-Schaum mit Buchenholzfurnier, EPLA-Schaum mit PLA-Folie kaschiert, XPLA-Schaum mit strohfasergefüllten PLA-Decklagen.
Foto: Fraunhofer ICT
Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut (Fraunhofer WKI) stellt auf der Hannover Messe 2025 gemeinsam mit Projektpartnern einen neuartigen funktionsintegrierten Leichtbauwerkstoff vor. Die Präsentation erfolgt auf dem Gemeinschaftsstand »Schaufenster Bioökonomie« des Projektträgers Jülich (PtJ) und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). Im Fokus stehen recycelbare, beheizbare und optional beleuchtbare Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe – mit Einsatzpotenzial in Bereichen wie Fahrzeugbau, Caravaning und Tiny Houses.
Die ausgestellten Lösungen sind Teil bioökonomischer Forschungsprojekte, die durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden.
VDI-Nachhaltigkeitspreis Kunststofftechnik 2025
Kooperationsprojekt für nachhaltige Werkstoffe: Fraunhofer WKI, DLR, ICT und Industriepartner
In enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Fraunhofer ICT und weiteren Industriepartnern entwickeln die Forschenden des Fraunhofer WKI innovative Leichtbaukomponenten mit hoher Funktionalität und ausgeprägter Nachhaltigkeit. Die Werkstoffe kombinieren Heiz- und Beleuchtungselemente, sind recyclingfähig und basieren auf nachwachsenden Rohstoffen. Damit tragen sie aktiv zur Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion in der Materialentwicklung bei.
Lithium-Vorkommen in Deutschland: Potenzial für Jahrzehnte gesichert
Messepremiere: Hybrid-Leichtbau mit Heizfunktion und Sichtfurnier
Vom 31. März bis 4. April 2025 präsentieren die Projektpartner auf der Hannover Messe ein Sandwich-Leichtbaumaterial, das aus dekorativen Sichtfurnieren, integrierten Beheizungs- und Beleuchtungsschichten, einer Dämmung aus EPLA-Schaum sowie Trägerschichten aus Buchensperrholz besteht.
„Unser Ziel ist es, einen hochwertigen Hybridwerkstoff zu entwickeln, der die Anforderungen an Design, Komfort und Funktionalität in Fahrzeugen wie Caravans und Tiny Houses erfüllt. Die innovativen Sandwich-Deckschichten aus Laubholz und EPLA-Schäumen ermöglichen die Herstellung von leichten, wärmedämmenden Bauteilen, die sich ideal für den Einsatz in der Bau- und Fahrzeugindustrie eignen“, berichtet Peter Meinlschmidt, Projektleiter am Fraunhofer WKI.
Berührungslose Steuerung: Intelligente Textilien mit Magnetfeldsensoren
Heizfarbe statt Wasserleitung: Smarte Wärmeintegration für Innenräume
Ein Alleinstellungsmerkmal des entwickelten Werkstoffs ist die Integration einer elektrischen Flächenheizung, die eine herkömmliche wasserbasierte Flächenheizung ersetzt. Zum Einsatz kommt eine spezielle Heizfarbe des österreichischen Unternehmens Villinger, deren Eignung auch für Klebeprozesse aktuell erforscht wird.
Diese Technologie erlaubt die Realisierung intelligenter, energieeffizienter Heizlösungen in Möbel- und Innenausbauelementen – beispielsweise für Tiny Houses, Caravans oder modulare Wohnräume.
Design trifft Funktion: Zusammenarbeit mit Handwerk und Kreativwirtschaft
Neben der technologischen Entwicklung legt das Projekt besonderen Wert auf Designqualität und Handwerksnähe. Hochwertige Holzfurniere aus Kirsche, Erle, Ahorn und Robinie dienen als ästhetische Oberflächenmaterialien. Für die Gestaltung und Umsetzung der Prototypen kooperieren die Forschenden mit dem Designstudio Studio Sofia Souidi (Berlin), der Tischlerei Flick, sowie den Unternehmen Verpackungswerk Huckschlag GmbH & Co. KG, Nolax, Delignit AG und Obel-P Automation A/S.
Vom Defekt zum Hightech-Material – Mit Präzision im atomaren Maßstab
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Fokus
Neben technischen Vorteilen überzeugt das Projekt auch aus wirtschaftlicher Perspektive: Die Verwendung regional verfügbarer, nachwachsender Rohstoffe reduziert die Abhängigkeit von fossilen Quellen und stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bioökonomie und der verarbeitenden Industrie. Das Materialkonzept adressiert zentrale Anforderungen moderner Fertigung: ressourcenschonend, energieeffizient, designorientiert und funktionsintegriert.