Transformation 04.04.2025, 08:00 Uhr

KI im Ingenieuralltag: Mehr Potenzial als Praxis

Künstliche Intelligenz (KI) verändert Arbeitswelten. Wie macht sich diese Transformation im Ingenieurwesen bemerkbar? Ingenieur.de hat sich zu einem Erfahrungsaustausch getroffen.

Geoffrey Stenzel

Geoffrey Stenzel ist Inhaber des Sachverständigenbüro ExGuide Technology, welches auf Explosionsschutz spezialisiert ist. KI spielt hier – noch – keine große Rolle.

Foto: ExGuide Technology.

„Ich bin sehr dafür, neue Tools zu testen und zu schauen, ob sie meine Arbeit wirklich unterstützen.“ Geoffrey Stenzel ist wahrlich niemand, der sich Neuerungen verschließt. Der 42-Jährige ist Experte für Explosionsschutz und Inhaber des Essener Sachverständigenbüros ExGuide Technology.
Als solcher berät er Gerätehersteller und Industrieunternehmen bei der Konstruktion von explosionsgeschützten Produkten und Installationen.

Beispielsweise muss in und an Lackierkabinen in Kfz-Betrieben oder Zapfsäulen an Tankstellen mit explosionsfähiger Atmosphäre gerechnet werden. Salopp gesagt: Geoffrey Stenzel stellt sicher, dass derartige Anlagen nicht unerwünscht in die Luft gehen, sondern den Ansprüchen gültiger Sicherheitsnormen genügen.

Dabei verlässt sich der Diplom-Ingenieur, der auf berufliche Stationen bei verschiedenen Prüf- und Zertifizierungsstellen zurückblickt, voll und ganz auf seine Expertise. Die Dienste Künstlicher Intelligenz nimmt er nicht in Anspruch – zumindest nicht im Rahmen seiner eigentlichen Ingenieurstätigkeit. „Ich experimentiere gerne mit KI-Tools, aber vorrangig im Privaten, mit Blick auf die Routinen im Arbeitsalltag.“ Eine Volltext-Suche zur ersten Recherche, Mails sortieren, Textbausteine für die eigene Homepage generieren – solche Aufgaben mute er der KI zu. In Fragen, die etwa Rechtsnormen oder die Konstruktion betreffen, bleibe sie jedoch außen vor.

Warum die KI häufig (noch) außen vor bleibt

Geoffrey Stenzels Haltung zur KI-Nutzung fügt sich ins Bild des VDI-Statusreports „Künstliche Intelligenz im Alltag – Erwartungen und Realität“ aus dem Jahre 2022. Demnach stand die Mehrheit der befragten VDI-Mitglieder KI-Methoden und -Anwendungen zwar interessiert gegenüber, der Hype allerdings spiegelte sich nicht im tatsächlichen Stellenwert der Technologie in der Praxis wider. So gab der überwiegende Teil an, dass das eigene Unternehmen noch keine KI-basierten Produkte oder Dienstleistungen anbiete.

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Dass sich die Erwartungen an künstliche Intelligenz seinerzeit nicht erfüllten, lag mitunter an den hohen Implementierungshürden, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Hürden, mit denen sich auch Geoffrey Stenzel konfrontiert sieht.

Die Vorstellung, die Arbeit mithilfe von KI effizienter gestalten zu können, besitzt der Experte durchaus: „Es gibt in der Bewertung von Geräten gewisse Muster, die sich eine solche KI erschließen könnte“, beschreibt er das Potenzial. „Ich könnte mir vorstellen, dass eine entsprechende Anwendung die Anforderungen an ein neues Gerät analysiert und mir die Bauteile auswirft, die eine größtmögliche Sicherheit gewährleisten“, so Geoffrey Stenzel weiter.

Der Konjunktiv verrät es: Eine solche konkrete KI-Anwendung gibt es – nach Stenzels Kenntnisstand – bislang noch nicht. Sollte sie existieren, wäre er „durchaus bereit, im Sinne einer Software as a Service, dafür zu bezahlen“. Ansätze KI-gestützter Sicherheitsanalysen gibt es zwar. Allerdings bezweifelt er, dass ein kommerzieller Anbieter zeitnah eine marktreife KI-Lösung für „seine Nische“ präsentieren werde – dafür sei der Anwendungsbereich zu eng.

„Wahrscheinlich müsste ich ein KI-Modell selbst aufsetzen“

„Der Explosionsschutz ist eine Spezialbranche, und innerhalb dieser Disziplin verästeln sich weitere technische Spezialisierungen“, führt der 42-Jährige aus. Darüber hinaus stelle sich die Frage nach der Datensicherheit: „Ich habe es mit vertraulichen Angaben und Spezifikationen zu tun. Die kann ich jedenfalls nicht bei ChatGPT und anderen großen Anbietern eingeben, um womöglich noch deren Algorithmen zu trainieren.“

Aus diesen Gründen kommt er zu dem Schluss: „Wahrscheinlich müsste ich ein spezifisches KI-Modell selbst aufsetzen.“ Ein „Schatz“ geeigneter Trainingsdaten sei sogar vorhanden, schließlich wurde ExGuide Technology bereits 1992 von Stenzels Vorgänger gegründet: „Aber ich wüsste nicht, wo ich anfangen sollte.“

Klar, um diese Herausforderung zu bewältigen, bräuchte es die Expertise eines Informatikers oder KI-Ingenieurs. Doch für Geoffrey Stenzel, der nur einen weiteren Mitarbeiter beschäftigt, wäre die Einstellung eines Experten derzeit finanziell nicht realistisch. Oder es müssten sich andere Branchenteilnehmer hervorwagen und eine entsprechende Lösung entwickeln.

Doch auch davon gehe er zum gegenwärtigen Stand nicht aus: Die Sparte sei klein, man kenne sich. Dies gelte sowohl für die am Markt aktiven Dienstleister als auch auf Seiten der Fachabteilungen der Unternehmen sowie der Prüf- und Zertifizierungsstellen. Der Explosionsschutz sei ein sensibler Bereich, und damit in gewisser Weise auch ein „konservatives“ Umfeld.

Die Spezialisierung seines Fachs und der Stellenwert persönlicher Expertise scheinen Sachverständige wie Geoffrey Stenzel vor Verdrängungseffekten zu schützen. Einen Einbruch in der Nachfrage fürchtet er derzeit nicht: „Dass ich zu wenig Arbeit habe durch die KI, glaube ich nicht.“

Neue VDI/VDE-Studie untersucht KI-Auswirkungen

Gleichwohl ist er überzeugt: „KI wird in den nächsten Jahren auch im Explosionsschutz eine größere Rolle spielen. Aktuell gibt es noch einen zeitlichen Versatz. Und wenn Teile meiner Arbeit irgendwann durch Algorithmen erledigt werden können, glaube ich, dass die finale Bewertung immer noch durch einen Menschen erfolgen muss und wird. Das ist zumindest mein Eindruck, basierend auf meiner bisherigen Nutzungserfahrung mit KI. Sie ist ein Hilfsmittel, kann aber nur eine von mindestens zwei Instanzen sein.“

Wissenschaftlich gestützt wird dieser subjektive Eindruck von einer Studie des Oxford Internet Institute, in der ein internationales Forschungsteam allgemein die Effekte der generativen KI auf den freiberuflichen Arbeitsmarkt untersuchte. Diese sind mitunter sehr komplex, zusammenfassend lässt sich aber festhalten: Während repetitive und standardisierte Aufgaben zunehmend von KI-Systemen übernommen werden können, sind komplexe Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Problemlösung und interdisziplinärer Zusammenarbeit erfordern, weniger anfällig für Automatisierung.
Einen fundierten Blick speziell auf die Auswirkungen generativer KI auf die Arbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren erarbeitet derzeit die VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA). Die Ergebnisse werden von Prof. Dr.-Ing. Alexander Fay, Lehrstuhl für Automatisierungstechnik an der Ruhr-Universität Bochum, auf dem Deutschen Ingenieurtag 2025 am Donnerstag, 15. Mai, in Düsseldorf vorgestellt.

Ein Beitrag von:

  • Patrick Torma

    Patrick Torma ist freier Journalist und Autor aus dem Ruhrgebiet. Sein Herz schlägt für Texte mit Aha-Effekt. Für ingenieur.de schreibt er über Technik-, Infrastruktur- und Karrierethemen.

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