Büro der Zukunft: Das ZERO. setzt auf Holz, Effizienz und smarte Technik
ZERO. in Stuttgart zeigt, wie modularer Holzbau Nachhaltigkeit, Effizienz und moderne Arbeitskonzepte vereint.

Dank Modulbauweise konnte das Holzbüro ZERO. in Stuttgart in kurzer Bauzeit errichtet werden.
Foto: S111 GmbH
In Stuttgart-Möhringen ist ein Gebäude entstanden, das neue Wege im Bau und in der Nutzung von Büroflächen aufzeigt: das ZERO. Der Büroneubau gehört zu den Projekten der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) und wird im Sommer 2025 bezogen. Bereits der Name signalisiert: Ziel ist es, den Energieverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Materialeinsatz so weit wie möglich zu minimieren. Möglich macht das eine Kombination aus regionalem Holz, modularer Vorfertigung und intelligenter Gebäudetechnik.
300 Holzmodule, 14.000 Quadratmeter, 400 Arbeitsplätze
Das Gebäude besteht aus fast 300 Raummodulen, die aus zertifiziertem Massivholz gefertigt wurden. Die Produktion fand in zwei regionalen Betrieben statt. Dort wurden die Module inklusive Fassade vorgefertigt, auf Lkw verladen und auf der Baustelle zusammengesetzt. Zwei begrünte Innenhöfe strukturieren das Gebäude. Rund 400 Menschen werden hier arbeiten.
Das ZERO. erstreckt sich über vier Vollgeschosse, ein Staffelgeschoss und ein Untergeschoss mit Tiefgarage. Die Büroflächen in den oberen Etagen sind flexibel nutzbar. Jede Etage kann in bis zu vier unabhängige Einheiten unterteilt werden. Besonders betont wird die Mischung aus „Shared Space“ (15 %) und „Personal Space“ (85 %). So entstehen gemeinschaftlich genutzte Flächen, während gleichzeitig Rückzugsräume bestehen bleiben.

Das ZERO. von oben als Rendering.
Foto: S111 GmbH
Kurze Bauzeit durch modulare Vorfertigung
Ein zentrales Ziel war die Reduktion der Bauzeit. Das gelang durch die serielle Vorfertigung der Module. Diese Vorgehensweise erlaubt eine präzise Planung, eine bessere Kontrolle der Qualität und weniger Baustellenlärm. Auch der Materialverbrauch und die Baustellenabfälle konnten so stark gesenkt werden.
Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen in Baden-Württemberg, sieht in dieser Methode großes Potenzial: „Das Projekt ›ZERO‹ zeigt eindrucksvoll, was möglich ist. Zeit ist Geld – gerade beim Bauen.“
Ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz
Nicht nur das Baumaterial selbst trägt zur Nachhaltigkeit bei. Auch die Energieversorgung ist weitgehend regenerativ. Das Gebäude erzeugt Strom und Wärme über eine Photovoltaik-Thermie-Anlage (PV/T) auf dem Dach und der Fassade. Zusätzlich kommt ein Eisspeicher mit 400 m³ Fassungsvermögen zum Einsatz. Dieser arbeitet mit Wärmepumpen und nutzt die Kristallisationsenergie beim Gefrieren des Wassers zur Wärmegewinnung. Im Sommer dient das Eis zur Kühlung. Damit schafft das Gebäude einen geschlossenen Energiekreislauf – ganz ohne fossile Energieträger.
Auch das Lüftungskonzept wurde an den Energiezielen ausgerichtet. In den Regelgeschossen ersetzt ein passives System mit Lüftungskaminen und Klappen in den Brüstungen eine mechanische Anlage. Nur im Erdgeschoss – dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen – wird konventionelle Technik eingesetzt.

Am 3. April besuchte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann das ZERO. (v.l.n.r.) Hannes Riehle (Architekt), Jan Babczynski (Geschäftsführer der Projektgesellschaft S111), Nicole Razavi (Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen), Thomas S. Bopp (Stv. Aufsichtsratsvorsitzender IBA’27 GmbH), Winfried Kretschmann (Ministerpräsident), Dr. Gabriele König (IBA’27-Geschäftsführerin), Andreas Hofer (IBA’27-Intendant) und Dr. Frank Nopper (Oberbürgermeister Landeshauptstadt Stuttgart, Aufsichtsratsvorsitzender IBA’27 GmbH)
Foto: IBA’27 / Franziska Kraufmann
Nutzende im Mittelpunkt
Von Anfang an wurde das Gebäude mit Blick auf die Bedürfnisse der künftigen Nutzenden geplant. Die Räume sind so gestaltet, dass sie verschiedene Arbeitsformen ermöglichen – vom Rückzugsort bis zum offenen Teamraum. Ein Betriebsrestaurant, ein Fitnessbereich und ein Work-Café ergänzen das Raumangebot. Die Dachterrassen laden zum Verweilen ein. Die Grundrisse und Fenster wurden mithilfe von Tageslichtsimulationen optimiert, um möglichst viel natürliches Licht bei minimalem Energieverlust zu ermöglichen.
„Indem wir gemeinschaftliche Nutzungen wie Meetings im Erdgeschoss bündeln, können wir den Einsatz von Gebäudetechnik und damit den Energieverbrauch stark reduzieren“, erklärte Jan Babczynski, Geschäftsführer der Projektgesellschaft S111.
🔍 Technische Daten | ZERO. Stuttgart |
Nutzung | Bürogebäude mit Gastronomie, Sport & Shared Spaces |
Nutzfläche | ca. 14.000 m² |
Geschosse | 4 Vollgeschosse, 1 Staffelgeschoss, 1 Tiefgarage |
Arbeitsplätze | über 400 |
Modulbauweise | ca. 300 vorgefertigte Holzmodule aus Massivholz |
Tragwerk | zertifiziertes Massivholz |
Energieversorgung | PV/T-Anlage, Eisspeicher mit Wärmepumpe |
Lüftungskonzept | Passive Lüftung mit Abluftkaminen und Brüstungen |
Dachnutzung | Solargründächer, Retentionsdächer, Dachterrassen |
Parken | 110+ Pkw-Stellplätze (50 % mit Wallbox), Fahrradplätze |
Besonderheiten | Smart-Tech, natürliche Klimatisierung, modulares Design |
Bauherr/Projektgesellschaft | S111 GmbH |
Vernetzung von Architektur und Umwelt
Auch die Umgebung wurde in das Konzept integriert. Die Außenanlagen sind naturnah gestaltet, klimarobust bepflanzt und fördern die Biodiversität. Die Freiflächen verbinden Innen- und Außenräume und bilden zusammen mit dem benachbarten Firmencampus ein zusammenhängendes Ensemble.
Das Gebäude liegt verkehrsgünstig zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen Stuttgart. Im Untergeschoss stehen über 110 Pkw-Stellplätze bereit – die Hälfte davon mit Lademöglichkeiten für E-Autos. Hinzu kommen zahlreiche Fahrradstellplätze. Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr unterstützt die nachhaltige Mobilität zusätzlich.

So soll das ZERO. von innen aussehen.
Foto: S111 GmbH
Teil der Bauwende
Für die IBA’27 ist das ZERO. mehr als ein Einzelprojekt. Es steht exemplarisch für einen Wandel in der Baukultur. Andreas Hofer, Intendant der IBA’27, sagt dazu: „Im Moment braucht es weitsichtige Menschen, die die Bauwende weiter vorantreiben. Gebäude wie das ›ZERO.‹ weisen den Weg, weil sie gute Architektur sind und das Arbeitsleben der Menschen verbessern.“
Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht im modularen Holzbau eine wichtige Zukunftsperspektive: „Die Chancen und Möglichkeiten des Bauens mit Holzmodulen werden in diesem Projekt sichtbar. Einfaches Bauen ist der Schlüssel – im Neubau wie im Umbau.“
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