Wie Monheim Europas größte Sporthalle realisierte
Berlin, Paris oder London – wo steht die größte Sporthalle Europas? In Monheim! Die Stadt hat gerade einmal etwas über 40.000 Einwohner, aber dafür ab sofort eine Achtfachhalle auf zwei Ebenen.

Der Sportkomplex besteht aus acht Hallenflächen auf zwei Ebenen, ein Teil davon ist unter der Erde verborgen.
Foto: NÜSSLI Gruppe / Tim Kögler
Das Bauprojekt wurde in modularer Hybridbauweise realisiert und bietet 4400 m² reine Sportfläche, 3000 m² Nebennutzfläche und einer Teleskoptribüne für 500 Personen. Die Halle wird überwiegend von zwei Schulen sowie von Vereinen genutzt. Trotz Bauverzögerungen durch Brandschutz und Lieferengpässe wurde das Projekt mit über 150 beteiligten Firmen – viele davon aus NRW – erfolgreich abgeschlossen.
Entstanden ist die XXL-Halle auf dem Gelände des Schulzentrums Berliner Ring in Monheim. Genutzt wird sie von der Gesamtschule am Berliner Ring, dem Otto-Hahn-Gymnasium sowie von lokalen Sportvereinen. Damit reagiert die Stadt auf den wachsenden Raumbedarf der beiden Schulen, die zusammen auf bis zu 14 Parallelklassen pro Jahrgang kommen. „Das hier ist schon etwas Besonderes“, sagte Bürgermeister Daniel Zimmermann bei der feierlichen Einweihung. Er ist überzeugt: Die Größe der Halle ist notwendig – und langfristig gut investiert.
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Technik trifft Zeitdruck: Bauweise und Projektmanagement
Der Bau wurde in modularer Hybridbauweise umgesetzt – einer Kombination aus Stahlbetonfertigteilen, Holz und Spannbeton. Diese Methode ermöglichte eine vergleichsweise schnelle Umsetzung, auch bei ungünstigen Wetterbedingungen. Große Bauelemente wurden vorproduziert und vor Ort zusammengesetzt. „Dadurch müssen die Bauteile nur angeliefert und im Prinzip vor Ort zusammengesetzt werden“, erklärte Holzbau-Projektleiter Daniel Heinrich. Diese Herangehensweise sparte nicht nur Zeit, sondern auch Personal.
Die Leitung des Bauprojekts übernahm das Schweizer Unternehmen Nüssli. Es koordinierte rund 150 Partnerunternehmen, von denen etwa die Hälfte aus Nordrhein-Westfalen kam. „Das ist ein richtig hartes Stück Arbeit und eine echte Herausforderung gewesen“, so Andy Böckli, CEO von Nüssli. Anpassungen beim Brandschutz und Lieferprobleme führten zu Verzögerungen. Dennoch wurde die Halle – nach rund zwei Jahren Bauzeit – nun übergeben.

Ein Teil der Fassade wurde mit Lärchenholz verkleidet, ein anderer Teil mit Lochblech.
Foto: NÜSSLI Gruppe / Tim Kögler
Acht Hallenflächen auf zwei Etagen
Die Nutzfläche der neuen Sporthalle ist bemerkenswert: 4400 m² reine Sportfläche verteilen sich auf zwei Etagen. Jeweils vier Hallenbereiche lassen sich zu größeren Einheiten kombinieren – entweder als eine Achtfach-Halle oder zwei Vierfach-Hallen. Umkleiden, Technikräume, Lagerflächen und Erschließungsbereiche nehmen zusätzliche 3000 m² ein.
Architektonisch fällt das Gebäude ebenfalls auf. Um es besser ins Stadtbild einzufügen, wurde der untere Hallenteil um ein Geschoss abgesenkt. Das Hauptspielfeld mit Teleskoptribüne liegt etwa 5 m unter der Erdoberfläche. Die äußere Fassade besteht aus lichtgrauem Lochblech. Das angrenzende Nebengebäude – in dem sich das Foyer sowie Sanitär- und Technikbereiche befinden – wurde mit einer Lärchenholzfassade verkleidet.
Multifunktional und zukunftsorientiert
Ein Highlight der Halle ist die ausfahrbare Teleskoptribüne im Erdgeschoss. Sie bietet Platz für bis zu 500 Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Zugang zum Obergeschoss erfolgt über Treppen oder einen Aufzug, der auch größere Sportgeräte transportieren kann. Die Halle wurde so konzipiert, dass sie sich für unterschiedliche Nutzungen eignet – vom Schulunterricht über Vereinssport bis hin zu großen Veranstaltungen.
Martin Kaiser, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, betonte bei der Einweihung: „Die Halle ist die beste Variante für diesen Campus.“ Auch seine Kollegin Stephanie Bräuer von der Gesamtschule wünschte allen zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern „viel Spiel, Spaß und olympischen Frieden“.

Blick in die Turnhalle mit der Teleskoptribüne.
Foto: NÜSSLI Gruppe / Tim Kögler
Ein Projekt mit Signalwirkung?
Rund 84 % der Nutzungszeit entfallen auf den Schulsport. Abends und am Wochenende steht die Halle dem Vereinssport offen. Die Gesamtbaukosten lagen laut Angaben der Stadt bei rund 44 Mio. € – ursprünglich war mit 37 Mio. € gerechnet worden. Ein genauer Endpreis steht noch aus.
Die Achtfach-Sporthalle bildet den Auftakt für eine umfassende Neugestaltung des Schulzentrums. Als nächster Schritt folgt der Neubau der Gesamtschule, der auf den Flächen der alten, inzwischen abgerissenen Sporthallen entstehen soll. Bürgermeister Zimmermann rechnet mit einer Fertigstellung im Sommer 2028. Auch das Otto-Hahn-Gymnasium soll im Anschluss modernisiert werden.
Kritik und Verteidigung
Nicht alle sehen die Halle positiv. Der Bund der Steuerzahler NRW kritisierte die hohen Kosten und bemängelte eine fehlende Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die Stadt Monheim hingegen verteidigte das Projekt mit dem Hinweis auf den konkreten Bedarf. Hans-Joachim Hamacher vom Gebäudemanagement sagte: „Wir haben den Bedarf nach dieser Dimension, weil wir immer mehr Schülerinnen und Schüler hier bekommen.“
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