Innovation in der Solartechnik 13.06.2023, 07:00 Uhr

Ladungstransport in organischen Solarzellen entschlüsselt

Die Studie eines interdisziplinären Teams zeigt, was Forschung leistet: Annahmen müssen sich erst einmal bewahrheiten. In diesem Fall kamen die Forschenden zu einem anderen Ergebnis und konnten erstmals nachvollziehen, wie der Ladungstransport in organischen Solarzellen funktioniert.

Solarzellen als Fassadenelemente

Organische Solarzellen lassen sich zum Beispiel in Häuserfassaden integrieren, sogar in Dächer von Autos.

Foto: panthermedia.net/df.schoenen

Solarzellen werden stetig weiterentwickelt. Dahinter steckt vor allem das Ziel, sie immer effizienter zu gestalten. Soll heißen: Im Idealfall liefern besonders kleine Zellen einen hohen Ertrag. Dann ist es zum Beispiel künftig möglich, mit weniger Solarmodulen auf einem Hausdach viel Strom zu erzeugen. Neben Windenergieanlagen sind es vor allem die Solaranlagen, die zum Gelingen der Energiewende maßgeblich ihren Beitrag leisten sollen. Aus diesem Grund beschäftigen sich zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit, Solarzellen zu untersuchen, zu verbessern und für die Marktreife vorzubereiten.

Photovoltaik: Forschungsprojekt zu organischen Solarzellen gestartet

Jüngst veröffentlichte die Technische Universität Chemnitz neueste Ergebnisse. Einem interdisziplinären Team ist es gelungen, den Ladungstransport in organischen Solarzellen zu verstehen. Beteiligt an dem Projekt waren unter der Leitung von Carsten Deibel, Professor am Institut der Physik der TU Chemnitz, Forschende der Professur Optik und Photonik kondensierter Materie der Technischen Universität Chemnitz, sowie weitere Institute. Das Forschungsprojekt konnte im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsgruppe „Gedruckte & stabile organische Photovoltaik mit Nicht-Fullerenakzeptoren- POPULAR“ realisiert werden. Neben Universitäten in Deutschland sind auch Institute aus Großbritannien beteiligt. Gemeinsam wollen sie organische Solarzellen im massenproduktionstauglichen Druckverfahren herstellen, sie besser verstehen und stetig verbessern.

Die Zustandsdichte beschreibt die energetische Landschaft

Solarzellen lassen sich aus unterschiedlichen Materialien herstellen. Die Forschungsgruppe beschäftigt sich mit solchen aus neuartigen organischen Halbleitern, die sich mit herkömmlichen Druckverfahren oder auch mit dem effizienten thermischen Aufdampfverfahren herstellen lassen. Der Vorteil des interdisziplinären Teams: Know-how aus Chemie, Physik, Mathematik, der Drucktechnik und den Materialwissenschaften arbeiten gemeinsam an einem Projekt. „Organische Halbleiter sind sehr gute Lichtabsorber, sodass die lichtabsorbierende Schicht in Solarzellen um den Faktor 1.000 dünner ist als bei kristallinen Silizium-Solarzellen“, sagt Carsten Deibel. Allerdings seien organische Solarzellen ungeordnet.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fachkraft für Nah- und Fernwärme-Hausanschlüsse (m/w/d) Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG
Esslingen am Neckar Zum Job 
Landeshauptstadt Düsseldorf-Firmenlogo
Leitung des städtischen Krematoriums für das Garten-, Friedhofs- und Forstamt Landeshauptstadt Düsseldorf
Düsseldorf Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Wirtschaftsjurist*in / Ingenieur*in (m/w/d) für Contract & Claimsmanagement in Projektender Energiewende THOST Projektmanagement GmbH
Stuttgart, Mannheim Zum Job 
RES Deutschland GmbH-Firmenlogo
Head of Engineering / Leitung technische Planung Wind- & Solarparks (m/w/d) RES Deutschland GmbH
Vörstetten Zum Job 
MEWA Textil-Service SE & Co. Management OHG-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik MEWA Textil-Service SE & Co. Management OHG
Wiesbaden Zum Job 
KÜBLER GmbH-Firmenlogo
Techniker / Ingenieur / Fachplaner / TGA (m/w/d) Heizungstechnik und Elektro KÜBLER GmbH
Ludwigshafen Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Vertragsmanager*in Großprojekte Mobilität (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
fbw | Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg mbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) (Ingenieur für Elektrotechnik, Energie- oder Versorgungstechnik o. ä.) fbw | Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg mbH
Stuttgart Zum Job 
Veltum GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur:in für Versorgungstechnik Heizung, Lüftung, Sanitär Veltum GmbH
Waldeck Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Ingenieur/Techniker/Meister (m/w/d) Elektrische Energietechnik Netzausbau Strom Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in (m/w/d) im Projektmanagement Bereich Energietechnik THOST Projektmanagement GmbH
verschiedene Standorte Zum Job 
ESWE Versorgungs AG-Firmenlogo
Asset Management & Transformationsplanung Fernwärmeversorgung (m/w/d) ESWE Versorgungs AG
Wiesbaden Zum Job 
naturenergie hochrhein AG-Firmenlogo
Projektentwickler kommunale Energielösungen (m/w/d) naturenergie hochrhein AG
Rheinfelden (Baden) Zum Job 
Stadtwerke Augsburg Energie GmbH-Firmenlogo
TGA-Planer*in / Ingenieur*in / Techniker*in (m/w/d) technische Gebäudeausrüstung Stadtwerke Augsburg Energie GmbH
Augsburg Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/in (m/w/d) als Referent/in für die Branche Feinmechanik BG ETEM
Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH-Firmenlogo
Head Site Management (w/m/d) Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) als Referent Arbeitssicherheit Die Autobahn GmbH des Bundes
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)-Firmenlogo
Abteilungsleitung Deponien und Altablagerungen (w/m/d) Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)
Kromberg & Schubert Automotive GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ingenieur / Materialwissenschaften (m/w/d) Kromberg & Schubert Automotive GmbH & Co. KG
Abensberg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 

Was dahinter steckt, erläutert Deibel an einem anschaulichen Beispiel: „Für den Transport der Elektronen und Löcher, die in organischen Halbleitern durch das Sonnenlicht erzeugt werden, bedeutet das, dass sie sich nicht auf einer Autobahn, bewegen, sondern auf einer holprigen Straße mit vielen Fallen, die Elektronen oder Löcher einfangen und zu einem langsameren, aber nicht geringeren Stromfluss führen.“ Diese sogenannte energetische Landschaft lässt sich zum Beispiel mit der Zustandsdichte beschreiben.

Erstmals elektronische Defektlandschaft in Solarzellen dargestellt

Hinsichtlich des Ladungstransports an sich gab es für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch offene Fragen. Um diese zu klären, stellten die Forschenden der TU Chemnitz gemeinsam mit Forschenden der Universität Nürnberg-Erlangen, des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien und der Heliatek GmbH in Dresden verschiedene organische Solarzellen her. Im Rahmen der Untersuchungen konnten sie die sogenannte elektronische Defektlandschaft erstmals sichtbar machen.

Sie entsteht durch die Leerlaufspannung organischer Solarzellen. Gemeint ist die Spannung, die produziert wird, wenn kein Strom fließt. Sie ist zugleich das Maß dafür, wie viel Energie in den photogenerierten Elektronen und Löchern vorhanden ist. Gelungen ist den Forschenden dies bei empfindlichen Messungen. Dabei nutzten sie ein breites Spektrum von Lichtintensitäten und Temperaturen. Das Ergebnis verblüffte auch die Forschenden: Die Zustandsdichte einer organischen Solarzelle lässt sich durch ein Potenzgesetz beschreiben. Vorab waren sie davon ausgegangen, dass eine Gauß- oder Exponentialverteilung dafür geeignet sei.

Ergebnisse behindern nicht die Massentauglichkeit der Solarzellen

„Das bedeutet, dass im Gegensatz zu älteren Modellen kleinere Leerlaufspannungen in den Solarzellen in einem energetischen Bereich liegen, in dem es mehr Fallen gibt. Erfreulicherweise ist unter Arbeitsbedingungen organischer Solarzellen bei Raumtemperatur unter Sonnenlichteinstrahlung die Leerlaufspannung höher und die Zustandsdichte enthält dort weniger Fallen“, erklärt Maria Saladina, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Carsten Deibel an der TU Chemnitz. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe sind erst vor wenigen Tagen in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht worden.

Diese neuen Erkenntnisse haben nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lediglich einen Einfluss auf die theoretische Beschreibung organischer Solarzellen, nicht jedoch auf die Herstellung mittels Druck- oder Aufdampfverfahren. Damit seien organische Halbleiter ebenso tauglich für die Massenproduktion wie andere Materialien. Schließlich habe man durch die Experimente erst einmal bewiesen, dass die Zustandsdichte in organischen Solarzellen komplexer ist als bisher gedacht.

Mehr zum Thema Solarzellen:

 

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.