Bitcoin-Skepsis in Deutschland: Die Gründe für das fehlende Vertrauen
57 % der Deutschen wollen nicht in Bitcoin investieren. Warum ist die Skepsis so groß? Ein Blick auf Ängste, Alternativen und Marktentwicklungen.

Nicht einmal jeder zehnte Deutsche besitzt Bitcoin und über die Hälfte der Bevölkerung lehnt die Krypto-Währung sogar ab. Wieso ist das so?
Foto: PantherMedia / vovsht (YAYMicro)
Bitcoin ist längst kein Nischenthema mehr. Als erste und bekannteste Kryptowährung hat Bitcoin eine weltweite Bekanntheit erreicht und gilt als Aushängeschild für die Blockchain-Technologie. Während in Ländern wie den USA und Japan die Akzeptanz rasant steigt, bleibt die Zurückhaltung in Deutschland deutlich spürbar. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox zeigt, dass 57 % der befragten Deutschen eine Investition in Bitcoin kategorisch ausschließen. Sie planen weder heute noch in Zukunft, Geld in die digitale Währung zu investieren. Doch was sind die Gründe für diese Skepsis?
Inhaltsverzeichnis
- Die tieferliegenden Gründe für die deutsche Bitcoin-Zurückhaltung
- Warum Krypto-ETFs keine Alternative in Deutschland sind
- Wer steht Bitcoin skeptisch gegenüber?
- Ein Blick in die Zukunft
- Vertrauensverlust durch zentrale Krypto-Börsen
- Bitcoin-ETFs: Ein bedeutender Schritt – jedoch nicht in Deutschland
- Warum bleiben so viele Deutsche skeptisch gegenüber Bitcoin?
Die tieferliegenden Gründe für die deutsche Bitcoin-Zurückhaltung
Die deutsche Bevölkerung ist traditionell eher sicherheitsorientiert, insbesondere bei finanziellen Entscheidungen. Dies zeigt sich auch im Umgang mit digitalen Währungen. Die Skepsis gegenüber Bitcoin speist sich aus mehreren Quellen:
Sicherheitsbedenken durch Hackerangriffe und Betrugsfälle
Immer wieder sorgen Sicherheitslücken und spektakuläre Hackerangriffe für negative Schlagzeilen. Ein besonders prominentes Beispiel ist der Angriff auf die Krypto-Börse ByBit, bei dem Vermögenswerte im Wert von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar entwendet wurden. Solche Vorfälle schüren die Angst vor Verlusten – besonders bei Einsteiger*innen, die oft nicht wissen, wie sie ihre digitalen Vermögenswerte sicher verwahren können.
Die Komplexität der Technologie als Hemmschwelle
Für viele potenzielle Anleger*innen erscheint die Technologie hinter Bitcoin zu kompliziert. Begriffe wie Blockchain, Wallet, Private Keys oder Mining schrecken Menschen ab, die sich nicht intensiv mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Der Kauf von Bitcoin ist für viele mit einem hohen Aufwand verbunden: Man muss ein Wallet einrichten, sich auf speziellen Plattformen registrieren und die technischen Abläufe verstehen – eine Hürde, die viele abschreckt.
Angst vor Volatilität und Wertverlust
Ein weiterer zentraler Faktor für die Ablehnung ist die extreme Volatilität von Bitcoin. Der Kurs der Kryptowährung unterliegt starken Schwankungen, die oft unvorhersehbar sind. Während manche Investorinnen und Investoren auf hohe Renditen hoffen, betrachten viele Deutsche diese Schwankungen als zu riskant. Gerade für sicherheitsbewusste Anleger*innen ist diese Unberechenbarkeit ein Grund, Abstand zu halten.
Warum Krypto-ETFs keine Alternative in Deutschland sind
In anderen Ländern gelten Krypto-ETFs als eine Möglichkeit, ohne technisches Vorwissen in Kryptowährungen zu investieren. In Deutschland ist dies jedoch nicht möglich, da Krypto-ETFs hierzulande rechtlich nicht zugelassen sind. Laut den geltenden europäischen Regularien muss ein ETF mindestens fünf verschiedene Werte abbilden, was bei einer reinen Bitcoin-Investition nicht der Fall ist.
Stattdessen gibt es Alternativen wie Exchange Traded Notes (ETNs) und Exchange Traded Products (ETPs). Diese funktionieren ähnlich wie ETFs, unterscheiden sich jedoch in rechtlicher, regulatorischer und risikotechnischer Hinsicht. Während ETPs in der Regel mit echten Kryptowährungen hinterlegt sind, haben sie ein höheres Emittentenrisiko als klassische ETFs. Außerdem fällt bei ETPs und ETNs im Gegensatz zu einem direkten Kauf von Bitcoin auf einer Krypto-Börse die Kapitalertragssteuer an, was die Rendite zusätzlich schmälert.
Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, erklärt: „Der Einstieg in Kryptowährungen schreckte viele Anleger bisher ab, da separate Wallets oder Accounts bei spezialisierten Anbietern erforderlich waren. Inzwischen gibt es jedoch Alternativen wie ETNs oder ETPs, die Investitionen über reguläre Aktien-Depots ermöglichen.“
Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die Gebühren können je nach Anbieter stark variieren, was die Rendite schmälert. Zudem bleibt das Problem der Volatilität bestehen: Auch in ETNs und ETPs investiertes Kapital ist den starken Kursschwankungen des Bitcoins ausgesetzt, weshalb diese Anlageformen eher als spekulative Beimischung im Portfolio geeignet sind.
Wer steht Bitcoin skeptisch gegenüber?
Die Verivox-Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Frauen sind tendenziell kritischer gegenüber Kryptowährungen eingestellt als Männer. Während 65 % der befragten Frauen eine Investition in Bitcoin kategorisch ablehnen, tun dies nur 48 % der Männer.
Das Alter spielt eine ebenso entscheidende Rolle. Jüngere Menschen sind oft aufgeschlossener gegenüber neuen Technologien und Anlagemöglichkeiten. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sehen nur 29 % Bitcoin als keine Option. Anders bei älteren Generationen: 77 % der Befragten zwischen 60 und 69 Jahren lehnen ein Investment ab, bei den 70- bis 79-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 89 %.
Diese Unterschiede lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Jüngere Menschen sind mit digitalen Technologien aufgewachsen und fühlen sich im Umgang mit diesen sicherer. Ältere Generationen hingegen bevorzugen oft traditionelle Anlageformen wie Immobilien, Festgeld oder Aktien.
Ein Blick in die Zukunft
Die Meinungen über die langfristige Bedeutung von Bitcoin sind gespalten. Rund ein Drittel (33 %) der Befragten geht davon aus, dass Bitcoin in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Eine ebenso große Gruppe (34 %) hält dies für unwahrscheinlich. Diese Uneinigkeit spiegelt die allgemeine Unsicherheit wider, die das Thema Kryptowährungen umgibt.
Trotz wachsender Akzeptanz in einigen Ländern sehen viele Deutsche Bitcoin weiterhin kritisch. Die Gründe dafür sind vielfältig: die hohe Volatilität, fehlende staatliche Kontrolle und die Unsicherheit über die rechtliche Regulierung von Kryptowährungen in Deutschland.
Vertrauensverlust durch zentrale Krypto-Börsen
Ein weiterer Faktor, der die Skepsis verstärkt, ist das sinkende Vertrauen in zentrale Krypto-Börsen. Viele Anleger*innen bewahren ihre Kryptowährungen direkt auf diesen Plattformen auf, anstatt sie in einer sicheren Hardware-Wallet zu lagern. Doch die zunehmenden Berichte über Hackerangriffe, wie zuletzt bei ByBit, führen dazu, dass selbst technikaffine Menschen von einer Investition absehen.
Zudem haben sich die Besitzverhältnisse auf dem Markt verändert. Während Privatpersonen im Jahr 2024 rund 525.000 Bitcoins verkauft haben, haben institutionelle Anlegerinnen und Anleger wie Fonds und Unternehmen ihre Bestände massiv aufgestockt. Dennoch bleiben die meisten Bitcoins im Besitz von Einzelanlegern – allerdings häufig verwaltet durch zentrale Börsen.
Bitcoin-ETFs: Ein bedeutender Schritt – jedoch nicht in Deutschland
Ein Meilenstein für die Krypto-Welt war die Einführung des ersten Bitcoin-ETFs im Jahr 2021 durch Proshares. Dieser ETF basiert auf Bitcoin Futures, also Terminkontrakten, die auf den zukünftigen Kurs von Bitcoin spekulieren. Solche Produkte gelten jedoch als hochspekulativ und sind mit großen Risiken verbunden.
Der entscheidende Durchbruch kam Anfang 2024, als die US-Börsenaufsicht (SEC) nach jahrelanger Ablehnung endlich einen Bitcoin-Spot-ETF genehmigte. Dieser bildet den tatsächlichen Kursverlauf von Bitcoin ab – ein wichtiger Schritt in Richtung breiterer Akzeptanz. Diese Entwicklung öffnet insbesondere konservativen Anleger*innen, die bisher zurückhaltend waren, den Zugang zu Kryptowährungen.
In Deutschland ist ein solcher Bitcoin-ETF derzeit nicht möglich, da die europäischen Regularien eine breite Diversifizierung von mindestens fünf verschiedenen Werten vorschreiben. Daher sind deutsche Anleger*innen auf ETNs und ETPs angewiesen, die jedoch mit einem höheren Risiko und zusätzlichen steuerlichen Nachteilen verbunden sind.
Warum bleiben so viele Deutsche skeptisch gegenüber Bitcoin?
Die Gründe für die Zurückhaltung vieler Deutscher gegenüber Bitcoin sind vielfältig. Sicherheitsbedenken, die Angst vor Kursverlusten, fehlendes Vertrauen in zentrale Börsen sowie die Komplexität der Technologie schrecken viele ab. Hinzu kommt, dass die rechtliche Lage in Deutschland Investitionen in Krypto-ETFs derzeit nicht zulässt. Stattdessen müssen Anleger*innen auf Alternativen wie ETNs und ETPs ausweichen, die mit einem höheren Risiko und steuerlichen Nachteilen behaftet sind.
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