Warum das Erdbeben in Südostasien so heftig war
Plattenbewegung, Spannungen und Nachbeben: Warum das schwere Erdbeben in Südostasien nicht überraschend kam.

Das schwere Erdbeben in Südostasien (hier Symbolbild) ließ die Erde minutenlang beben. Warum es dazu kam, wie stark es war und welche Folgen noch drohen, erklären Experten.
Foto: PantherMedia / CanerArican
Am 28. März 2025 erschütterte ein starkes Erdbeben Südostasien. Es war kein Zufall, dass es gerade in dieser Region zu solch heftigen Erschütterungen kam. Vielmehr handelt es sich um eine seismisch sehr aktive Zone. Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler sehen klare Ursachen für das Ereignis – und warnen vor weiteren Beben in den kommenden Monaten.
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Eine Region unter Spannung
Das Epizentrum des Bebens lag entlang der Sagaing-Verwerfung. Diese geologische Bruchzone verläuft mitten durch Myanmar. Sie trennt die indische von der eurasischen Erdplatte. Beide Platten bewegen sich mit etwa 18 Millimetern pro Jahr aneinander vorbei. Das klingt nach wenig. Doch über Jahrzehnte hinweg bauen sich enorme Spannungen auf.
Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam erklärt: In dieser Zone kam es über einen Zeitraum von fast 70 Jahren zu keinem größeren Bruch. Das führte dazu, dass sich Spannungsenergie im Gestein sammelte. Nun entlud sie sich schlagartig – mit verheerender Wirkung.
Ein starkes Beben mit langem Nachhall
Sowohl das GFZ als auch die US-amerikanische Erdbebenwarte (USGS) gaben die Stärke des Bebens mit 7,7 an. Das ist deutlich stärker als jedes Erdbeben, das in Deutschland zu erwarten wäre. Zum Vergleich: Das stärkste Beben hierzulande hätte eine Magnitude von etwa 6,5. Ein Wert von 7,7 entspricht laut Klaus Reicherter, Leiter des Instituts für Neotektonik und Georisiken an der RWTH Aachen, etwa 35-mal mehr freigesetzter Energie.
„Dieses Schütteln hat sehr lange angehalten, die Erde hat sich minutenlang bewegt“, sagt Reicherter. Je länger die sogenannte Bruchzone, desto mehr Energie wird freigesetzt. Im aktuellen Fall gehen Fachleute von einer Bruchlänge von über 200 Kilometern aus.
Nachbeben nicht ausgeschlossen
Schon wenige Minuten nach dem Hauptbeben kam es zu weiteren Erschütterungen. Daniel McCrum vom University College Dublin berichtet: „Zwölf Minuten später folgte ein Beben der Stärke 6,4.“ Weitere Nachbeben mit geringerer Intensität traten innerhalb einer Stunde auf.
Solche Nachbeben sind laut Fachleuten normal – und können sich noch über Monate hinziehen. „Das kann bis zu einem Jahr dauern, normalerweise sind es zwei bis drei Monate“, erklärt Reicherter. Besonders kritisch: Gebäude, die bereits durch das Hauptbeben geschwächt wurden, könnten durch weitere Beben einstürzen. Daher sei es für die Menschen in den betroffenen Städten nicht ausreichend, nur ein paar Nächte im Freien zu verbringen.
Historische Beben in der Region
Das aktuelle Beben ist kein Einzelfall. Paolo Bergamo vom Schweizerischen Erdbebendienst verweist auf frühere Ereignisse: „Seit 1900 gab es in einem Umkreis von 250 Kilometern sechs weitere Beben mit einer Stärke von 7 und mehr.“ Das letzte dieser Art war 1990 und führte zum Einsturz von 32 Gebäuden. Im Jahr 1912 ereignete sich sogar ein Beben der Stärke 7,9 – ebenfalls in direkter Nähe.
Zwischen 1930 und 1956 kam es laut GFZ zu einer ganzen Serie von Erdbeben entlang der Sagaing-Verwerfung. Danach blieb es lange ruhig. „Diese Ruhephase hat es ermöglicht, dass sich unter der Oberfläche große Spannungen aufbauten“, erläutert Fabrice Cotton vom GFZ. Diese Spannungen wurden nun mit voller Wucht freigesetzt.
Wie man Erdbeben misst
Die Stärke von Erdbeben wird mit sogenannten Seismographen bestimmt. Diese Geräte erfassen die Bodenbewegungen und berechnen daraus die sogenannte Magnitude. Ein Wert ab 7 gilt als stark – mit dem Potenzial, schwere Schäden zu verursachen. Wie stark die Auswirkungen tatsächlich sind, hängt aber auch vom Untergrund, der Bebauung und der Tiefe des Bebens ab.
In dicht besiedelten Regionen wie Bangkok oder Mandalay kann ein solches Ereignis katastrophale Folgen haben. Dort steht nun eine gewaltige Aufgabe an: die Überprüfung zehntausender Gebäude auf ihre Stabilität. Nur so lässt sich vermeiden, dass Nachbeben weiteren Schaden anrichten. (mit dpa)
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