Elektromobilität 27.05.2026, 08:11 Uhr

China-VW für 16.500 Euro: Darum gibt es das E-Auto nicht in Deutschland

In China verkauft Volkswagen jetzt eine E-Limousine, die dem hier angebotenen ID.7 in Größe und Reichweite nicht unähnlich ist. Warum der dortige Preis von weniger als 17.000 € hier unrealistisch ist.

VW ID.Unyx 07 soll mit günstigem Preis und Topausstattung Marktanteile in China für den Wolfsburger Konzern zurück holen.

Der VW ID.Unyx 07 soll mit günstigem Preis und Topausstattung Marktanteile in China für den Wolfsburger Konzern zurück holen.

Foto: picture alliance/dpa/Johannes Neudecker

Mit dem bereits 2024 angekündigten ID. Unyx 07 bringt Volkswagen jetzt erstmals eine elektrische Mittelklasse-Limousine auf den chinesischen Markt, die technisch eng mit dem chinesischen Partner Xpeng verwandt ist – und in puncto Größe und Reichweite durchaus dem hierzulande angebotenen Volkswagen ID.7 ähnelt.

Doch interessierte Kunden reiben sich verwundert die Augen: Während der ID.7 hier ab 55.000 € in den Preislisten steht, wird der Unyx 07 in China für umgerechnet ab 16.500 € angeboten. Zeitlich begrenzte Rabattaktionen senken den Preis sogar auf etwa 14.000 €. Ein Import des Unyx 07 ist aus technischen Gründen weder möglich, noch ließe sich dabei der ursprüngliche Preis hier auch nur annähernd realisieren. Das sind die Gründe.

Volkswagen setzt in China auf eine völlig neue Strategie

Der ID. Unyx 07 ist Teil der neuen „In China, for China“-Strategie von Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete den Produktionsstart als „weiteren Meilenstein“ für die China-Offensive des Konzerns. Ziel ist es, Fahrzeuge speziell für chinesische Kunden zu entwickeln – mit lokaler Software, lokaler Technik und lokaler Produktion.

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Gebaut wird der Unyx 07 bei Volkswagen Anhui, dem Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller JAC. Anders als frühere ID-Modelle basiert die Limousine nicht mehr auf der bekannten europäischen MEB-Plattform für Elektromodelle, sondern auf Technik vom chinesischen Automobilhersteller Xpeng. Dadurch spart Volkswagen nicht nur Entwicklungszeit, sondern auch Kosten. Laut Unternehmensangaben lassen sich Entwicklungszyklen dadurch um bis zu ein Drittel verkürzen. VW-China-Chef Ralf Brandstätter erklärte dazu: „Wir haben den Weg für eine neue Generation intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China geebnet.“

Warum der ID. Unyx 07 so billig produziert werden kann

Dass Volkswagen den Unyx 07 für unter 17.000 € anbieten kann, hat mehrere Gründe. Der wichtigste Faktor ist der extreme Preiskrieg auf dem chinesischen Elektroautomarkt. Über 100 Hersteller konkurrieren dort um Marktanteile. Marken wie BYD, Geely oder Nio drücken die Preise massiv nach unten. Hersteller verzichten teilweise bewusst auf hohe Gewinnmargen, um ihre Marktposition zu sichern.

Hinzu kommen deutlich niedrigere Produktionskosten als in Europa. Volkswagen produziert den Unyx 07 vollständig in China und arbeitet eng mit lokalen Zulieferern zusammen. Dadurch sinken Lohn-, Material- und Fertigungskosten erheblich. Auch die Batterie spielt eine entscheidende Rolle: Statt teurer Nickel-Mangan-Kobalt-Akkus setzt VW auf günstigere Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP).

LFP-Akkus gelten als günstiger, robuster und langlebiger – allerdings oft mit etwas geringerer Energiedichte. Die im Unyx 07 verbaute 60-kWh-Batterie stammt vom chinesischen Hersteller Gotion High-Tech.

Etwas kleiner als ein ID.7, aber mit Topausstattung

Der ID. Unyx 07 positioniert sich in China als moderne Elektro-Limousine mit viel Technik und großzügigem Raumangebot. Mit 4,85 m Länge ist er nur rund elf Zentimeter kürzer als der europäische ID.7. Technisch bietet der Unyx 07 einen 170-kW-Elektromotor, eine 60-kWh-LFP-Batterie und laut chinesischem CLTC-Fahrzyklus bis zu 558 km Reichweite. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h.

Besonders auffällig ist die umfangreiche Ausstattung. Das Cockpit verfügt über vier Bildschirme, darunter ein 27-Zoll-AR-Head-up-Display und ein 15-Zoll-Infotainment-System. Hinzu kommen KI-gestützte Sprachfunktionen, ein Panorama-Glasdach, Matrix-LED-Scheinwerfer und moderne Parkassistenten inklusive automatisiertem Einparken.

Vergleich: ID. Unyx 07 gegen VW ID.7

Nicht nur im Bezug auf Größe und Reichweite, auch optisch besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem VW ID.7 und dem nur in China angebotenen VW Unyx 07. Beim Preis liegen jedoch Welten zwischen den beiden Fahrzeugen. Foto: picture alliance/dpa/Moritz Frankenberg

Der direkte Vergleich mit dem europäischen ID.7 zeigt, wie unterschiedlich Volkswagens Elektrostrategie inzwischen ausfällt. Der europäische ID.7 ist etwas größer und nutzt eine größere Batterie mit 77 kWh oder 86 kWh. Die WLTP-Reichweite liegt je nach Version zwischen 621 km und 700 km. Auch bei Leistung und Fahrkomfort spielt der ID.7 in einer höheren Liga. Die stärkeren Varianten leisten bis zu 250 kW, bieten höhere Ladeleistungen und umfangreiche Komfortfeatures. Allerdings kostet der ID.7 in Deutschland mindestens rund 55.000 €, gut ausgestattete GTX-Versionen liegen sogar bei über 63.000 €.

Der Unyx 07 ist dagegen von vornherein klar als günstiges Volumenmodell für China konzipiert. Die Technik konzentriert sich stärker auf digitale Funktionen und KI-Anwendungen – genau jene Aspekte, die chinesischen Kunden besonders wichtig sind.

Warum der Billig-VW nicht nach Europa kommt

Viele europäische Kunden fragen sich natürlich, warum Volkswagen ein modernes Elektroauto für 16.500 € in China anbieten kann, in Europa aber nicht. Die Antwort liegt neben günstigeren Entwicklungs- und Produktionskosten vor allem in unterschiedlichen Vorschriften und Marktanforderungen. Der ID. Unyx 07 ist vollständig auf chinesische Standards zugeschnitten: Software, Sprachsteuerung, Navigation und digitale Dienste basieren auf dem chinesischen Smartphone-Ökosystem.

Für Europa müssten zahlreiche Systeme aufwändig angepasst werden. Hinzu kommen strengere Sicherheits- und Zulassungsvorschriften der Europäischen Union. Auch Assistenzsysteme, Datenschutzvorgaben und Cybersecurity-Anforderungen unterscheiden sich oft deutlich und sind in der EU teilweise – anders als in China – sogar vorgeschrieben.

Das treibt den Preis in Europa zusätzlich nach oben

Zusätzlich würden Transportkosten, Einfuhrzölle, Homologation und höhere Vertriebskosten den Preis massiv erhöhen. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass ein Export des Unyx 07 nach Europa daher wirtschaftlich keinen Sinn ergeben würde. Volkswagen verfolgt deshalb eine klare Trennung: China erhält speziell entwickelte Fahrzeuge für den dortigen Markt, während Europa eigene Modelle bekommt. Allerdings arbeitet VW parallel auch an günstigeren Elektroautos für Europa. Modelle in der Preisklasse um 20.000 € sollen in den kommenden Jahren folgen.

Der ID. Unyx 07 zeigt dennoch deutlich, wie groß der Kostenvorsprung chinesischer Elektroauto-Produktion inzwischen geworden ist – selbst bei einem deutschen Hersteller wie Volkswagen.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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