US-Autos in Europa: Warum Trumps Worte ins Leere laufen
Donald Trump glaubt, dass Europa den Import von US-Autos boykottiere. Experten widersprechen, für sie hat das ganz andere Gründe.

Groß, größer am größten: Riesige SUVs wie der Chevrolet Tahoe liegen in den USA im Trend, fristen in Europa hingegen eher ein Nischendasein.
Foto: PantherMedia / Midav_Vadim
US-Präsident Donald Trump erhebt schwere Vorwürfe gegen die EU und verhängt Strafzölle auf europäische Autos. Die Ursache für den geringen Marktanteil US-amerikanischer Fahrzeuge in Europa sieht er in angeblichen Handelsbarrieren. Doch Fachleute widersprechen dieser Darstellung. Ihrer Ansicht nach liegt das Problem nicht bei Zöllen, sondern an den US-Modellen selbst: zu groß, zu durstig und nicht auf die Bedürfnisse europäischer Kundinnen und Kunden abgestimmt. Nur Tesla bildet eine vorübergehende Ausnahme – doch auch dort gibt es Absatzprobleme.
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Trump macht Druck – mit Zöllen
Mit Strafzöllen von 25 % will der ehemalige US-Präsident Donald Trump die EU dazu bewegen, mehr amerikanische Fahrzeuge zuzulassen. Seiner Ansicht nach versperren europäische Märkte US-Autobauern gezielt den Zugang. Er spricht von einem unfairen Handel und verweist auf das Ungleichgewicht bei den Autoexporten.
„Einer der Gründe, warum ich Zölle einführe, ist der, dass wir Millionen ihrer Autos nehmen – BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz“, sagte Trump kürzlich. Gleichzeitig sei es „fast unmöglich“, US-Fahrzeuge in Europa zu verkaufen.
Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) scheinen auf den ersten Blick Trumps Argument zu stützen: Rund 450.000 Fahrzeuge wurden 2024 aus Deutschland in die USA exportiert, aber nur 136.000 kamen aus den USA nach Europa. Auch beim Zollsatz bestehen Unterschiede. Während die USA bislang 2,5 % auf europäische Pkw erheben, verlangt die EU 10 % auf Fahrzeuge aus den Vereinigten Staaten.
Die Kritik der Fachleute: Es liegt nicht an Zöllen
Doch mehrere Branchenkenner sehen die Schuld nicht bei politischen Handelsbarrieren. Vielmehr seien es die US-Fahrzeuge selbst, die in Europa kaum auf Interesse stoßen. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach bringt es auf den Punkt: „Das ist das große Problem der US-Hersteller, die Geschmäcker der europäischen Konsumenten einfach nicht zu treffen.“
Bratzel sieht bei den meisten US-Marken schlicht kein attraktives Angebot für den europäischen Markt. Einzige Ausnahme sei derzeit Tesla. Doch auch dieser Hersteller steht unter Druck: Der Absatz des Elektroautobauers fiel im ersten Quartal 2025 um 13 %. Ein möglicher Grund dafür sei die zunehmende Kritik an Konzernchef Elon Musk – einem Berater Trumps.
Große Karosserien, hoher Verbrauch – das passt nicht nach Europa
Ein weiteres Argument liefert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Duisburg. Er betont: „Die Autos aus Amerika sind bei uns schlicht unverkäuflich.“ Seine Begründung: Viele US-Modelle sind auf amerikanische Bedingungen zugeschnitten – große Karosserien, hohe Motorleistungen und entsprechend hoher Benzinverbrauch.
„Du kannst hier kein Auto verkaufen mit acht Zylindern und 15 Litern Verbrauch“, so Dudenhöffer weiter. In den USA, wo Kraftstoff deutlich günstiger ist, sei das weniger problematisch. In Europa mit seinen vergleichsweise hohen Spritpreisen dagegen ein klares Ausschlusskriterium.
Gerade bei kompakten, verbrauchsarmen Modellen sehen Fachleute große Lücken im Sortiment der US-Hersteller. Fahrzeuge wie der Pick-up Ford F-150 – eines der meistverkauften Modelle in den USA – werden in Europa gar nicht offiziell angeboten. Dasselbe gilt für viele andere beliebte US-Modelle. Kompakte, städtetaugliche Fahrzeuge fehlen weitgehend.
Was die Kundschaft in Europa wirklich will
Europäische Käuferinnen und Käufer achten stärker auf Effizienz, Größe und Design. Das betrifft sowohl den Verbrauch als auch den CO₂-Ausstoß. Auch der Komfort auf engen Straßen oder in Städten spielt eine größere Rolle als in den USA. Viele US-Modelle bieten diese Eigenschaften nicht. Das macht sie für die europäische Zielgruppe unattraktiv.
Dudenhöffer bringt es auf den Punkt: „Wenn man hier Autos verkaufen will, braucht man Modelle, die die Kunden auch wollen.“ Das gelingt US-Autobauern bislang nicht. Zölle spielen dabei aus seiner Sicht eine untergeordnete Rolle.
Der Sonderfall Tesla – und seine Probleme
Tesla stellt eine Ausnahme dar, da das Unternehmen frühzeitig auf Elektromobilität gesetzt hat und damit zunächst Erfolge in Europa verbuchen konnte. Doch auch dieser Vorsprung bröckelt. Der jüngste Einbruch der Verkaufszahlen um 13 % zeigt, dass sich das Blatt wendet.
Ein möglicher Grund liegt nicht nur in der zunehmenden Konkurrenz, sondern auch im Image des Konzerns. Tesla-Chef Elon Musk gerät immer häufiger in die Kritik – auch aufgrund seiner Nähe zu Trump und politischer Aussagen. Das wirkt sich zunehmend negativ auf das Markenbild aus. (mit dpa)
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