Gesundheit 18.01.2013, 12:09 Uhr

Vermieter müssen Haus auf Legionellen prüfen

Vermieter größerer Immobilien müssen ihr Trinkwasser auf Legionellen untersuchen lassen, weil diese Bakterien Menschenleben gefährden können. Nach ersten Erfahrungen überschreitet jede sechste Anlage die gesetzliche Obergrenze.

Auch das Trinkwasser muss in größeren Immobilien auf Legionellen geprüft werden.

Auch das Trinkwasser muss in größeren Immobilien auf Legionellen geprüft werden.

Foto: dpa

Viele Vermieter konnten aufatmen. Just vor Weihnachten wurde die Trinkwasserverordnung novelliert. Noch ein Jahr haben sie nun Zeit, um das Trinkwasser ihres Mietshauses auf Legionellen untersuchen zu lassen. Bis zum 31. Dezember 2013 müssen geschätzte 2,5 Mio. Gebäudebesitzer dieser Pflicht nachkommen. Ursprünglich sollten die Messungen schon bis November 2012 vorliegen.

Aber der Gesetzgeber gewährt Aufschub, weil die Labore überlastet sind: „Es fehlen Kapazitäten. Alle sind damit überfordert“, sagt Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badebeckenwasserhygiene beim Umweltbundesamt in Dessau. Das bundesweit größte Labor, die Agrolab Group mit Hauptsitz im bayerischen Bruckberg, hat alleine dieses Jahr über 150 Mitarbeiter neu eingestellt, um das Auftragspensum zu bewältigen.

Legionellen können Lungenentzündung oder Pontiac-Fieber auslösen

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die sich gerne im 25 °C bis 55 °C warmen Wasser vermehren. Wenn sie eingeatmet werden, etwa über den Duschnebel, können sie insbesondere bei älteren und immungeschwächten Menschen eine schwere Lungenentzündung, die Legionellose, oder das grippeartige Pontiac-Fieber hervorrufen.

Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 20 000 Menschen daran. Bis zu 15 % sterben – „so viele wie im Straßenverkehr“, sagt Chorus. „Und das aufgrund einer Krankheit, die absolut vermeidbar wäre.“ Vermieter größerer Liegenschaften sind deshalb nun per Verordnung verpflichtet, ihr Trinkwasser von einem akkreditierten Labor analysieren zu lassen.

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Rund 60 000 Wasserproben hat Agrolab bisher untersucht. „Erschreckend häufig“, so Chorus, finden die Labormitarbeiter zu viele Keime im Leitungsnetz. Die Bakterien zirkulierten in mehr als jeder dritten Anlage. Jede Siebte überschreitet laut Agrolab den technischen Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten auf 100 ml Wasser. Bei anderen Prüfinstituten lag der Anteil der Überschreitungen etwas niedriger – zwischen 9 % und 16 %.

Diese ersten Ergebnisse sind ein Warnsignal. Denn schlechte Werte lassen sich nur damit erklären, dass das Leitungsnetz nicht einwandfrei betrieben wird. Obwohl keine unmittelbare Gefahr besteht, muss das Gesundheitsamt informiert werden. Die Mieter erfahren auf Anfrage vom Problem mit ihrem Wasser. Die Behörde kann eine Gefährdungsanalyse anordnen. Dann nimmt ein Labormitarbeiter weitere Wasserproben mit dem Ziel, den Bakterienherd einzugrenzen und bestenfalls aufzuspüren.

Brutstätte für Legionellen: Typisch ist das Waschbecken im Keller, das irgendwann abgehängt wurde

Es sind vor allem Häuser mit einem älteren Leitungsnetz, die zu viele Legionellen aufweisen, berichtet Produktmanager Carlo Peich von Agrolab. Besonders tückisch sind tote Leitungen, in denen das Wasser steht, oder Leitungen, die nur selten genutzt werden. „Typisch ist das Waschbecken im Keller, das irgendwann abgehängt wurde und dessen Wasseranschluss mit einem Stopfen verschlossen ist. Das Wasser in den Rohren fließt nicht ab und ist eine ideale Brutstätte für Legionellen“, erklärt Peich.

Das Mauerwerk älterer Gebäude ist oft von überzähligen Rohren durchzogen, die vorsorglich für einen Anbau angelegt wurden. In diesen Leitungen vermehren sich Keime. Ein anderes Problem: Kalt- und Warmwasserleitungen liegen in Altbauten zu dicht beisammen und sind nicht gegeneinander isoliert. Dadurch erwärmt das heiße Wasser die benachbarte kalte Leitung. In der lauwarmen Umgebung fühlen sich Bakterien wohl.

Wenn Legionellen in großer Zahl im Wasser schwimmen, fängt jedoch die eigentliche Arbeit erst an. „Man muss die Quelle der Verkeimung finden“, erklärt Peich. Für diese Gefährdungsanalyse nehmen Mitarbeiter der Agrolab weitere Proben an verschiedenen Stellen des Leitungsnetzes. Erst wenn der Herd gefunden ist, kann er beseitigt werden. Manchmal gelingt dies nur mit einer Desinfektion.

Mit Chlor sterben die Bakterien ab, ebenso beim Erhitzen des gesamten Wassers auf 70 °C. Peich warnt allerdings vor einer unsachgemäßen Bekämpfung: Oft wird die eigentliche Ursache, etwa die tote Wasserleitung, nicht behoben und das Wasser vorschnell desinfiziert. Dann kehrt das Problem bald wieder.

Und Peich warnt generell vor Scharlatanen: „Das ist ein riesiger Markt. Während die Labore, die die Legionellenmessung durchführen, akkreditiert sind, ist das bei den Anbietern der Desinfektion nicht der Fall.“ Manch einer verkauft eine Legionellenschaltung als Allheilmittel. Sie erhitzt aber das Trinkwasser nur auf knapp über 55 °C. Das beugt einem Befall vor, kann aber eine bestehende Verkeimung nicht verlässlich beseitigen.

Legionellen-Bekämpfung: Das Hauptproblem ist fehlendes Geld

Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten und Gesundheitsämter lassen ihr Trinkwasser schon seit 2001 jedes Jahr auf Legionellen prüfen. Auch dort kommt es nach wie vor regelmäßig zu Überschreitungen, weiß Peich. In Krankenhäusern habe die Gefahr beispielsweise alleine dadurch zugenommen, dass sich die Liegezeiten der Patienten verkürzen und die Duschen dadurch seltener benutzt werden. In den Zuleitungen kann sich stehendes Wasser sammeln. Doch das Hauptproblem ist: „Mangelndes Geld – es gibt Einrichtungen, die wissen, dass sie ein Legionellenproblem haben, aber keine finanziellen Mittel, es anzupacken“, erläutert Peich.

Der öffentliche Sektor verrät damit, wo der Hase im Pfeffer liegt. Die Kosten werden auch die Besitzer privater Immobilien umtreiben. Der Berliner Mieterverein hatte sich mit Blick auf die Kosten der Legionellenprüfung schon kritisch geäußert. Für ein Haus mit acht Parteien belaufen sie sich auf rund 200 €. Der Vermieter kann die Summe auf die Mieter umlegen, sodass jeder Haushalt 25 € schultert. Doch die Kosten für eine Legionellendesinfektion liegen deutlich höher. Manch einen wird das schrecken.

Chorus ermutigt jedoch: „Das ist gut angelegtes Geld und ein Schutz vor einer schlimmen und überflüssigen Erkrankung. Auch Besitzer von Eigentumswohnungen, die gesetzlich nicht verpflichtet sind, sollten ihr Trinkwasser zum Wohl ihrer Gesundheit prüfen lassen.“

Das Aussitzen des Problems könnte jedenfalls teuer werden: Wer wissentlich verseuchtes Wasser abgibt, muss ein Bußgeld von bis zu 25 000 € und unter Umständen sogar Klagen von Geschädigten fürchten.

Ein Beitrag von:

  • Susanne Donner

    Susanne Donner ist studierte Chemikerin und schreibt als Wirtschaftsjournalistin über Technik- und Medizinthemen u. a. für die Wirtschaftswoche, GEO, FAZ und ingenieur.de.

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